Prof. Dr. med. Ulrike Bingel

Prof. Dr. med. Ulrike Bingel

„Wirkstoff oder Placebo? Bei Schmerzen helfen nicht allein Tabletten, sondern auch Ärzte, die Zuversicht schenken.“

Prof. Dr. med. Ulrike Bingel, DGN-Mitglied seit 2002, Lehrstuhlinhaberin und Schmerzforscherin, Universität Essen

Das mache ich: Ich bin Professorin für Klinische Neurowissenschaften an der Klinik für Neurologie der Universitätsklinik Essen. In meinem Team erforschen wir die ZNS-Mechanismen der Schmerzverarbeitung und -modulation, sowie die neurobiologischen Grundlagen von Placebo- und Nocebo-Reaktionen und deren Interaktion mit aktiven pharmakologischen Behandlungen. Die gleichzeitige Leitung der Schmerzambulanz und des Rückenschmerzzentrums der Neurologischen Klinik erlaubt mir, die Implikationen dieser Forschung für den klinischen Alltag unmittelbar zu erproben, was mich besonders motiviert.

Das fasziniert mich an der Neurologie: Schmerz ist ein archaisches und hochkomplexes Wahrnehmungsphänomen des Menschen, das immer noch nicht ausreichend erforscht ist und generell zu wenig Beachtung findet. Schmerz wird wie keine andere Sinnesempfindung durch kognitive und emotionale Faktoren moduliert. Diese beeinflussen im Übrigen auch die Wirksamkeit und Verträglichkeit von Schmerzmedikamenten. Tatsächlich können Placebo-Effekte Patienten helfen und Nocebo-Effekte – also die Einflüsse von negativer Erwartung – ihnen schaden. Diese Aspekte faszinieren mich: Sie eröffnen ganz neue Perspektiven für die Behandlung.

Darum bin ich DGN-Mitglied: Ich halte die wissenschaftliche und strukturelle Arbeit der Deutschen Gesellschaft für Neurologie für wichtig, weil wir unabhängige medizinische Leitlinien brauchen, die möglichst frei von ökonomischen Interessen sind und im Sinne der Patienten verfasst werden. Dies möchte ich unterstützen. Gerade meine Forschung zeigt, dass nicht immer das Medikament wirkt, sondern häufig allein die Zuversicht und das Vertrauen in die Behandlung ausschlaggebend sind. Außerdem bietet die DGN Foren, in denen ich mich für die Belange von Frauen in der Forschung einsetzen kann.